Montag, 10. April 2017

Wie mich München verändert hat

Man darf ruhig behaupten, dass mich meine Münchner Zeit um 180° gedreht hat. Anfangs stand ich vor großen Herausforderungen, auf die ich mich wahnsinnig freute: Neue Stadt, alles selbst organisieren, unendliche Möglichkeiten. Es hat eine ganze Weile gedauert, bis ich im Alltagsdschungel den Durchblick hatte, bei dem ich mich selber wohlgefühlt habe. Ich möchte jetzt zurückblicken und euch in mehreren Einträgen davon berichten, wie es dazu kam, dass ich die Person bin, die ich heute bin. Hier schreibe ich über das, wovon ich in den nächsten Monaten ausführlicher erzählen möchte.

Madeira, März 2016 von Chris


Sich neuen Herausforderungen stellen


Im ersten Semester ging natürlich alles drunter und drüber. Noch im Oktober 2014 gründeten ein paar andere und ich eine Flüchtlingsinitiative, wir gingen zusammen zu Kundgebungen. Ich engagierte mich in der Fachschaft. Es gab generell sehr viele Veranstaltungen, die unbedingt besucht werden wollten. Vor allem wollte ich mich von meiner besten Seite zeigen: ein freundlicherer, offener Mensch sein, der auf alle Leute vorbehaltlos zugeht und von allen gemocht wird. Das Problem war nur, dass ich mich selber zu wenig kannte. Ich wusste nicht, was ich wirklich wollte, was mich ausmacht. Ich hatte noch zu wenig Selbst-Bewusstsein.
Ich gewöhnte mich schnell an mein Umfeld, hatte aber immer das Gefühl, dass irgendetwas noch nicht passte. Mich hat es oft aufgeregt, ...
... dass ich nach dem Einkaufen Dinge vergessen habe.
... dass ich öfter zu spät kam, weil ich die Wegzeit falsch eingeschätzt habe.
... dass ich mir Namen und das, was die Menschen erzählt haben, nicht merken konnte.
... dass ich nicht wusste, wie und wann ich am besten auf Klausuren lernen sollte.
... dass ich keine richtige Ordnung meiner Mitschriften, Notizen und Rechnungen hatte.
... dass mich nicht entscheiden konnte, Erinnerungen und Termine auf meinem Handy zu speichern oder alles auf Papier zu schreiben.
... dass ich etwas verwirrt war durch die häufigen Ortswechsel zwischen zu Hause und München.
... dass ich es nicht schaffte, Zeitung zu lesen, wie ich es mir vorgenommen hatte.
... dass ich mehr Blogeinträge schreiben wollte, aber nie dazu kam.
... dass ich nicht wusste, wann ich was wie erledigen sollte und dabei stressfrei bleiben sollte.
Was ich wusste, war, dass das alles zur Eingewöhnung gehört und einfach seine Zeit braucht. Aber es gab Momente, an denen ich wirklich sehr genervt davon war und ich das Gefühl hatte, ich weiß überhaupt nichts mehr. Ich war schon immer jemand, der gerne und gut organisiert war, deshalb ärgerte es mich, wenn etwas nicht so lief, wie ich es geplant hatte.
In den Ferien hatte ich endlich Zeit und wollte alles besser organisieren. Dann fing ich an, Listen und Pläne zu machen: Excel-Tabellen zu Ausgaben und Einnahmen, Bestandsaufnahmen, Stundenpläne, Wochenpläne, Jahrespläne, Morgenroutine, Abendroutine, Zettel mit einer Alles-dabei?-Liste an der Türe, Einkaufszettel nach dem Baukastenprinzip für Frühstück, Mittag- und Abendessen, To-Do-Listen, Erinnerungs-App, Kalender-App. Ich probierte Vieles aus, um ein „System“ zu finden, mit dem ich langfristig zufrieden war und ich wusste, dass so etwas vor allem Zeit und Gewöhnung braucht. Nachdem ich im Mai 2015 meine Werkstudentenstelle angetreten habe, kam auch hier einiges an Organisation und Neuorientierung dazu. Manchmal übertrieb ich es aus Langeweile und Spaß mit der ganzen Planerei, aber es war immer nur von kurzer Dauer. Irgendwann sind viele Dinge zur Routine geworden und ich musste nicht mehr darüber nachdenken.


In Bewegung bleiben und besser essen


Ein entscheidender Schritt war der Sport, er hat wortwörtlich Bewegung in die ganze Sache gebracht. Im März 2015 bin ich einem Sportverein in der Nähe beigetreten. Heute kann ich sagen, dass das definitiv eine der besten Entscheidungen meines Lebens war. Ich war ja ein Sport-Neuling, aber es hat mir gefallen. Ich wusste, dass Bewegung und gesunde Ernährung wichtig sind und ich dachte nur „wird schon passen was auf den Tisch kommt, solange ich nicht bei ständig bei McDonalds esse.“ Jetzt wollte ich es genauer wissen. Es schien mir eine neue, sinnvolle Herausforderung. Schließlich wollte ich gut und lange leben und (im Alter) nicht krank werden. Ich fing an, im Internet zu recherchieren, schaute YouTube-Videos, las Bücher. Ich sog alles zu den Themen Training und Ernährung auf.

Nachhaltig leben


Irgendwo – wahrscheinlich auf Facebook – entdeckte ich einige Zeit später den Link zum Crowdfunding von OHNE, dem ersten verpackungsfreien Supermarkt Münchens, und unterstützte die Idee sofort. Als der Laden im Februar 2016 eröffnete, war ich mit dabei und bestaunte all die vielen Produkte, die zeigten, dass es auch anders geht. Trotzdem bin ich noch eine Weile zu Netto, Penny und Rewe gegangen, weil ich noch nicht bereit war, mich mit dem Umstellungsgedanken anzufreunden. Außerdem war ja dort alles viel billiger. Ich informierte mich aber weiter zum Thema Nachhaltigkeit und Konsum und stellte Schritt für Schritt meine Gewohnheiten um: Ich kaufte nur noch selten Fleisch, brauchte meine Vorräte auf und überlegte, wie ich meinen Einkauf am besten erledigen könnte. Der Fokus lag hier vor allem darauf: Ich wollte gut leben, aber gleichzeitig auch nachhaltig und beides am besten so unkompliziert wie möglich. Ständig dachte ich über diese Herausforderung nach. Schließlich kaufte ich, wann immer es ging, nur noch im Bio-Laden ein und seit Ende 2016 fast nur noch verpackungsfrei.

Neu denken


Dass Ende 2015 eine Beziehung scheiterte, war für mich eine furchtbar schlimme Erfahrung und ich hatte viele Selbstzweifel. Im neuen Jahr 2016 kannte ich nur ein Ziel: Mich selbst kennen lernen. Was waren meine Stärken und Schwächen? Nur wenn ich das erkennen würde, konnte ich auch wieder selbstbewusst auf andere Menschen zugehen und dabei mir voll und ganz vertrauen. Der Maßstab, nach dem ich mich ausrichten wollte, war lediglich ich selbst. Denn im Endeffekt muss nur ich mich ein Leben lang aushalten und deshalb wollte ich auf jeden Fall gut mit mir auskommen können. Ich würde nicht sagen, dass ich überfordert war. Ich habe nur angefangen, sehr viele Dinge zu hinterfragen, die bisher selbstverständlich waren. Das ging schlicht und einfach mit der Tatsache einher, dass ich auf mich selbst gestellt war. Ich wollte wissen, was man mit seiner Zeit am besten anfangen soll, was ein gutes Leben ist, was wirklich wichtig ist.

Kommentare :

  1. In Japan people said ganbatte to cheer on and give support others who endure to overcome and win!

    So I also tried to do the same!

    Be courageous and persevered in the Lord! Since our shipwrecked life had been redeemed by Christ the Lord!

    Life is so meaningful with Him! Happy Easter from Asia!

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