Samstag, 5. Mai 2012

Das Leben neu wahrnehmen

Hallo ihr Lieben,
ich war kürzlich mit ein paar Mädels aus meiner Klasse in einer Rheumaklinik zu Besuch. Wir sollten dort ein Spiel mitgestalten, das zum Freizeitprogramm der Patienten gehörte.
Wir trafen auf viele unbekannte Gesichter und einige waren sogar in unserem Alter. Draußen im Innenpark der Klinik machten wir Spiele wie "Gordischer Knoten", "Glas mit Wasser-auf-gespanntem-Bettlaken-tragen" und viele mehr. Man hatte gleich eine Aufgabe, die viel Zusammenhalt erforderte. Und das, obwohl man die Menschen nicht einmal kennt. Es hat sehr viel Spaß gemacht und es war schön, so direkt auf andere Menschen zu treffen und sie - wortwörtlich - spielerisch kennen zu lernen. 

Vielmehr aber war ich an diesem Nachmittag erfüllt von unendlicher Dankbarkeit und zugleich großer Traurigkeit. Uns fünf Mädchen wurde immer mehr bewusst, wie glücklich wir sein können, dass wir gesund sind. Es war so ein beklemmendes Gefühl, die Patienten zu sehen, mit dem Gedanken, dass ihr Leben nicht so "gerade" verläuft, wie unseres. Ich kenne mich sehr wenig aus mit Rheuma, aber man hat gemerkt, dass einige Probleme bei manchen Spielen hatten. Man fühlt sich so hilflos und egoistisch. Man hört das ja in den Nachrichten: Krieg, Hunger, Gewalt und leider noch mehr. Aber es ist etwas ganz anderes, es hautnah mitzuerleben. Die Patienten lernen mit ihrer Krankheit umzugehen, für uns ist es etwas Neues, nicht alltägliches. Man ist vorsichtig. Ich habe auch versucht, mir vorzustellen, wie das wäre, von einem Tag auf den anderen plötzlich eine (unheilbare/schwierige) Krankheit zu haben. Es würde sich alles ändern. Würde ein neues Lebensgefühl aufkommen? Ich weiß es nicht. Ich bin froh, dass es mir gut geht und ich bin Gott so überaus dankbar dafür. Keiner hat an diesem Tag ein trauriges Gesicht gemacht. Wir haben zusammen über Missgeschicke gelacht, auch unsere Bezeichnung "Normalsterbliche" nahmen wir lustig auf. Ich kann jedem diese Lebensfreude nur wünschen und ich kann mir vorstellen, dass diese bei Erkrankten noch größer ist als bei Gesunden. Ich nehme mir es auch vor, immer Gott zu danken und meine Gesundheit zu schätzen.
Auf jeden Fall werde ich die Klinik noch einmal besuchen und mich mit den Patienten treffen. Es wäre doch schade, wenn das eine einmalige Sache gewesen wäre. Ich möchte mehr erfahren und gerne einige näher kennenlernen. 

Als Abschluss des Spiels bekam jeder von den FSJ-Menschen eine kleine Tüte mit Süßigkeiten. Daran hatten sie ein selbst gefilztes Herz gehängt. Es hat mich sehr gefreut. Ich habe es gleich an meinen Schlüssel gehängt und immer, wenn ich es anschaue, erinnere ich mich zurück an diese wundervollen Begegnungen.























Nachtrag 15.05.2012

Sie sind so wundervolle Menschen!

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